Auf Königslachs in British Columbia  (Juli'2003)

Nachdem wir diverse Wochen dem großen Abenteuer Kanada entgegengefiebert hatten, fuhren wir am 2.Juli früh morgens endlich zum Düsseldorfer Flughafen. Eine Woche Lachsangeln in Kanada wartete auf uns und wir waren gespannt, was wir in diesen Tagen erleben würden.

Zunächst stand uns aber noch eine Reise von ca. 18 Stunden bis zum heiß ersehnten Ziel bevor. Von Düsseldorf flogen wir zunächst nach Frankfurt. Von dort aus ging es in einem 9-stündigen Flug auf der Polarroute über den Atlantik und den amerikanischen Kontinent nach Vancouver an der Westküste Kanadas. Nach einigen Stunden Aufenthalt in Vancouver (Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia) flogen wir weiter nach Terrace, das ca. 300 km nördlich von Vancouver liegt. Auf dem zweistündigen Flug, der uns zum größten Teil über menschenleere Wälder und schneebedeckte Berge führte, bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf die herrliche Landschaft British Columbias. Zwei Stunden später landeten wir um 19 Uhr kanadischer Ortszeit pünktlich in Terrace. 

Die Stadt Terrace hat ca. 11.000 Einwohner und liegt direkt am Skeena River, dem zweitwichtigsten Lachsfluss im Norden Kanadas. Der Skeena River mit seinen zahlreichen Nebenflüssen zählt sicherlich zu den besten Angelrevieren für die pazifischen Lachsarten. Wir hatten es auf die größte Lachsart, den Königslachs (bzw. "King" oder "Chinook") abgesehen. Der Monat Juli gilt für das Einzugsgebiet des Skeenas als beste Zeit des Königslachs-Aufstieges. Daher hatten wir für diese Woche einen Aufenthalt in der Kalum River Lodge in Terrace gebucht.

Am Flughafen von Terrace wurden wir bereits von Andrew, unserem Guide und Besitzer der Kalum River Lodge erwartet. Auf der Fahrt zur Lodge machten wir direkt einen Stop am nächsten Angelladen in Terrace, um uns für die kommenden Tage die notwendigen Fischereilizenzen zu besorgen. Die Lizenzen bestanden in unserem Falle aus einer allgemeinen Jahreslizenz und einer speziellen Lachslizenz.

    

Unsere Unterkunft, ... ... die Kalum River Lodge.

   

Nachdem wir auf der Lodge, die mitten im Wald und direkt am Kalum River (einem Nebenfluss des Skeena) liegt, angekommen waren besprachen wir den Ablauf der kommenden Tage. Andrew erklärte uns, dass der Skeena River aufgrund starker Niederschläge in den vergangenen Tagen z.Zt. Hochwasser habe und es deshalb besser wäre, noch zwei Tage mit dem Skeena zu warten bis sich der Wasserstand normalisiert habe. Durch das Hochwasser sei das Wasser zum Angeln zu trüb. Wir vereinbarten, die beiden kommenden Tage am Kitimat River, der einige Kilometer südlich von Terrace verläuft, zu angeln.

So fuhren wir am nächsten Morgen mit Ted, einem Kollegen von Andrew zum Kitimat River. An einer entlegenen Stelle am Fluss ließen wir unser (Ruder)boot zu Wasser. Geangelt wurde nach der "Driftboat"-Methode. In Fahrtrichtung des Bootes wurden unsere Ruten, die mit tieftauchenden Wobblern bestückt waren, ausgelegt. Dann ließen wir uns mit dem Boot so langsam wie möglich flussabwärts treiben. Die Wobbler ließen wir dabei in ca. 20 m Entfernung vom Boot in der Strömung "spielen". Die Ruten wurden in die Rutenhalter im Boot gesteckt und dann hieß es, die Rutenspitzen beobachten und auf den Biss zu warten. Ted wurde dabei die schweißtreibendste Arbeit zuteil. Er musste das Boot langsam durch die Strömung manövrieren und die "verdächtigen" Stellen im Fluss (meist tiefe Stellen im Uferbereich oder Kiesbänke) ansteuern.

    

Der Kitimat River. Ted macht das Boot startklar.

     

Bereits am Abend vorher hatte uns Andrew "auf der grünen Wiese" an seinem Angelgerät (Bootsruten mit einer Länge von 2,40 m bis 2,70 m und einem Wurfgewicht von 150-250 g, Multirolle mit 50er Schnur) demonstriert, mit welche Kraft die Bisse des Chinook mitunter kommen. Und Andrew sollte Recht behalten ... Weiter sei noch erwähnt, dass beim Angeln in Kanada nur Einzelhaken (auch an Kunstködern) ohne Widerhaken erlaubt sind. Nachdem wir ca. eine Stunde den Kitimat flussabwärts gefahren waren hatte Heike an ihrer Rute den ersten Biss. Dieser kam jedoch so heftig und plötzlich, dass wir es nicht rechtzeitig schafften, die Rute aus der Halterung zu bekommen und anzuschlagen. Am Nachmittag passierte uns noch einmal das Gleiche. Auch am zweiten Tag blieben wir "Schneider". Mittags beobachteten wir einen anderen Bootsangler, der einen Fisch im Drill verlor. Trotz allem waren schon die beiden ersten Tage auf dem Kitimat ein Erlebnis. Bei Regen, Wind und Sonnenschein genossen wir die wilde Landschaft an den Ufern des Flusses. Jeden Tag konnten wir Weisskopfseeadler, Kingfisher, Alaskafinken und andere Vogelarten beobachten.

   

Wildnis pur ... ... am Kitimat River.
    

Mittagspause ...

Am Ziel angekommen.

  

Am Morgen des dritten Tages ging es dann endlich los zum Skeena River. Mit Andrew und Gerald, einem weiteren Gast auf der Lodge, fuhren wir mit dem Auto einige Kilometer flussabwärts. Irgendwo zwischen Terrace und Prince Rupert (hier mündet der Skeena im Pazifik) machten wir Halt und ließen Andrews Jetboot zu Wasser. Mit dem Boot legten wir das letzte Wegstück zu einer vielversprechenden Stelle am Flussufer zurück. Andrew erklärte uns, dass sich etwa 15-20 m vom Ufer entfernt ein ca. 3 m tiefer Graben befinde, in dem sich die Lachse auf ihrer Wanderung flussaufwärts sammeln würden.

So machten wir das Boot am Ufer fest und legten unsere Ruten in dem besagten Graben auf Grund aus. Geangelt wurde mit sogenannten "spin-o-glows" (siehe Foto), die es in Kanada in verschiedensten Farben und Größen gibt. Die Montage: an die Hauptschnur wurde ein Dreiwegewirbel geknotet, an dem zum einen an einem ca. 10 cm langem Stück Schnur ein Grundblei (200-300 g) und zum anderen ein ca. 50 cm langes Vorfach befestigt wurden. An das Ende des Vorfachs wurde ein großer Einzelhaken (ohne Widerhaken) geknotet. Vor dem Haken wurde der spin-o-glow auf das Vorfach gezogen. Der Haken wurde mit gefrorenem Lachsrogen beködert. Nach dem Auswerfen setzte sich das Blei auf dem Grund fest und der spin-o-glow "spielte" nun wenige Zentimeter über dem Grund. Diese Methode ist in Kanada die bekannteste und einfachste Art des Lachsfischens.  

   

Unser Boot. Montage mit spin-o-glow und Lachsrogen.

Gefrorener Lachsrogen. Das Angelgerät.

   

Nun begann das Warten auf den ersehnten Lachsbiss. Wir wussten, dass das Durchschnittsgewicht eines erwachsenen Königslachses, wenn er nach 4-6 Jahren aus dem Pazifik zurückkehrt bei 15 bis 25 Pfund liegt. Andrew erzählte uns, dass sein größter gefangener Königslachs sogar über 70 Pfund gewogen habe.

Nach ca. einer Stunde schlug die erste Rutenspitze aus, aber der Anhieb ging ins Leere. Nach einigen weiteren Fehlversuchen landeten wir den ersten Fisch, einen Saibling (oder auch "dolly varden" genannt). Im Laufe des Tages fingen wir noch einige Dollys (1 bis 3 Pfund), hatten aber auch immer wieder Fehlbisse, die vermutlich auf unsere großen Haken (6/0 bis 8/0) zurückzuführen waren. Am Nachmittag ging uns der erste "King" an den Haken. Leider war es nicht gerade ein "kapitaler" Fisch - nur 2 bis 3 Pfund. Bei diesen Königslachsen, die von den Kanadiern als "jacks" bezeichnet werden, handelt es sich um einjährige männliche Lachse, die bereits nach einem Jahr mit ihren erwachsenen Artgenossen in die Flüsse aufsteigen (warum weiß niemand). 

Der nachfolgende Tag verlief ähnlich: wieder hatten wir zahlreiche Bisse und konnten einige Dollys und "Jacks" fangen. Aber immer noch keinen erwachsenen Chinook. Die gefangenen Fische landeten abends in der Bratpfanne und schmeckten köstlich. Unser Angelkollege Gerald erwies sich als Meisterkoch und bereitete die Fische jeden Abend nach einem anderem Rezept zu. Andrew führte die Tatsache, dass wir noch keinen "Großen" gefangen hatten, auf die immer noch leichte Trübung des Wassers (wegen dem Hochwasser der letzten Tage) zurück. Er meinte aber, dass die Bedingungen von Tag zu Tag besser würden.

 

Auch am Skeena: jede Menge Treibholz. Eine Dolly Varden.
     

Unser Guide Andrew. Warten auf den Biss.
      

Das Abendessen wird vorbereitet, ... ... frisch gefangener Saibling.

  

Am fünften und vorletzten Tag fuhren wir wieder an die gleiche Stelle, an der wir die letzten beiden Tage geangelt hatten. Andrew war optimistisch und kündigte an "today is the day". Doch vormittags fingen wir lediglich einige Jacks und Dollys. Gegen Mittag war es dann so weit: ein Biss an meiner Rute und ich schlug an. Die Rute krümmte sich deutlich mehr wie bisher und wir ahnten, das musste ein größerer Fisch sein. Andrew holte die übrigen Ruten ein und der "Tanz" begann. Als der Fisch zum ersten Mal an die Wasseroberfläche kam konnte wir sehen, dass es ein großer Chinook war. Nach kurzem Drill hatte ich den Fisch in die Nähe des Bootes manövriert und Andrew stand bereits mit seinem riesigen Lachskescher im Wasser. Doch man sollte sich nie zu früh freuen: 2 m vor dem Kescher drehte der Lachs nach links ab, zeigte uns noch einmal seine Schwanzflosse und entschwand in den Fluten des Skeena Rivers. Offensichtlich hatte er sich von dem Haken rechtzeitig befreien können. Andrew schätzte den verlorenen Fisch auf 20 bis 25 Pfund. Danach kam für kurze Zeit Frust auf, aber "that's nature" (wie Andrew meinte).

Zwei Stunden passierte nichts mehr und bald hätten wir unsere Sachen eingepackt, als ich erneut einen Biss hatte. Nachdem ich den Anhieb gesetzt hatte nahm der Fisch zunächst Schnur und erschien dann mit einem gewaltigen Sprung an der Wasseroberfläche. Uns war schnell klar, dass dieser Fisch noch größer war. Als die Schnur plötzlich schlaff wurde befürchtete ich schon, auch diesen Fisch zu verlieren. Doch der Lachs kam auf uns zu geschwommen und der "Spaß" ging in der Nähe des Bootes weiter. Nach einem Drill von ca. 15 Minuten konnte der Fisch schließlich unter Mithilfe von Andrew und Gerald gekeschert werden.

Das Warten hatte sich jedenfalls gelohnt: ein Chinook von 40 Pfund. Den Fang trug Andrew sofort in meine Fischereilizenz ein. Nach den Fischereibestimmungen in British Columbia ist die Entnahme von insgesamt zwei erwachsenen Königslachsen (über 50 cm) pro Person (Tageslimit jedoch nur ein Fisch) erlaubt.

   

3 kleine Königslachse und eine Dolly Varden (unten).

Ein Chinook von 40 Pfund.

  

Am letzten Angeltag wurden Heike, Gerald und ich von Ted zum Skeena River begleitet. Auch heute sollten wir noch einmal Erfolg haben: nach einer Stunde fing ich meinen zweiten Lachs, der diesmal deutlich kleiner (ca. 20 Pfund) war. Eine weitere Stunde später konnte Gerald ebenfalls einen Fisch von ca. 40 Pfund landen.

    

Gerald hat einen Biss. Beim Keschern war immer Vorsicht geboten.
     

Gerald mit seinem Fisch. Abschlussfoto mit Ted.

   

Die Woche in Kanada war viel zu schnell um und so mussten wir am nächsten Morgen schweren Herzens unsere Koffer packen und die Heimreise (mit viel Fisch im Gepäck) antreten. Aber wir konnten zufrieden sein, denn es war einfach ein Erlebnis und der ersehnte Fisch war uns letztlich auch noch an den Haken gegangen. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Guides Andrew und Ted, ohne die diese Fänge wahrscheinlich nicht möglich gewesen wären.

 

Heike und Jürgen Klöckner.